Lehren und lernen im Zeitalter der Digitalisierung

Angesichts der großen gesellschaftlichen Veränderungen, mit denen wir durch die Digitalisierung konfrontiert sind, ist es ratsam, den Blick auch ins späte Mittelalter zu richten. Wenngleich die vor der Erfindung des Buchdrucks kaum alphabetisierte Bevölkerung dem ursprünglich aus dem Lateinischen stammenden Wort „Digitalisierung“ wohl ratlos gegenübergestanden hätte, so lassen sich doch aus dem Umgang mit der damaligen gesellschaftlichen Transformation Gelingensbedingungen auch für die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen ableiten. Gutenberg revolutionierte mit der Erfindung der beweglichen Lettern nicht nur den Buchdruck, diese Medienrevolution initiierte zugleich auch eine Neuausrichtung des Bildungssystems, weil Bildung für alle Bevölkerungsgruppen möglich wurde. Auch aktuell ist unser Bildungssystem mit einem Leitmedienwechsel konfrontiert, der so manches Fundament unseres Bildungsverständnisses infrage stellt.
Ohne den Vergleich der Moderne mit dem Mittelalter überstrapazieren zu wollen, so bietet dieser Rückblick vielleicht auch Ansatzpunkte für Fragestellungen zeitgemäßer Bildung. Das mittelhochdeutsche Wort lēren bedeutete sowohl lernen als auch lehren. Die Menschen im Mittelalter mussten zunächst dazu befähigt werden, das modernste Medium ihrer Zeit angemessen zu nutzen, dies bedeutet Entwicklungen im Lernen und gleichzeitig im Lehren. Guter Unterricht war also eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen des damaligen Megatrends und ist es heute ebenso. Obschon mittelalterliche Didaktik auf den ersten Blick wenig vielversprechende Antworten auf die Frage nach der aktuell angemessenen „Kunst des Unterrichtens“ bietet, galt es damals wie heute, Lehren und Lernen so zu gestalten, dass mündige Teilhabe an der gesellschaftlichen Transformation möglich wird.
Vor diesem Hintergrund ergab sich das Thema unserer Kollegiumsfortbildung am 20.09.19 beinahe zwangsläufig:
„Digitalisierung ein Mehrwert. Welche digitale Bildung wollen wir? Grundsatzüberlegungen über unsere schulischen Werte und Ziele unter Einbeziehung digitalisierter Formate “
Der Theologe Hans Bodo Markus und die Kulturwissenschaftlerin Dr. Anne Weber regten uns in ihrem facettenreichen Impulsvortrag dazu an, über die Chancen und Risiken der gesellschaftlichen Veränderungen und ihre Implikationen für das Bildungssystem nachzudenken. Die Konsequenzen, die sich daraus für die verschiedenen Fachgruppen ergeben, wurden anschließend in Kleingruppen diskutiert und auch in konkrete Vorgaben für den Fachunterricht überführt. Auf diese Weise entsteht nun unser schuleigenes Medienkonzept, mit dem auch auf der Basis des Medienkompetenzrahmens NRW das Rüstzeug für die digitale Zukunft gelehrt und gelernt werden kann.
Auch die neuen Diensttablets, mit denen das Erzbistum Paderborn als unser Schulträger das gesamte Kollegium ausgestattet hat, kamen bei der Fortbildung zum Einsatz. So boten sich im Rahmen der Fachschaftsarbeit auch vielfältige Möglichkeiten im Umgang mit den von einigen als zentrale Kompetenzen des 21. Jahrhunderts formulierten 4 K: Das Kollegium hat kommuniziert und kollaboriert, war sehr kreativ und nicht zuletzt auch kritisch.
Wir sehen den Entwicklungen mit großem Tatendrang und Elan entgegen, zugleich verdeutlichte der kollegiale Diskurs jedoch große Einigkeit in einem zentralen Fundament des Bildungsverständnisses am SUG:
Wir verfolgen einen ganzheitlichen Erziehungs- und Bildungsauftrag, in dem die Digitalisierung eine zentrale Prämisse ist, jedoch nicht alleiniges Primat sein darf.
Sie alle sind herzlich eingeladen, sich im Rahmen Ihrer Mitwirkung an unserem Schulleben in diesen Prozess einzubringen, damit wir alle gemeinsam zeitgemäß lehren und lernen können.

Stephanie Büdenbender

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