Cybermobbing auf der Bühne

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Rhianna Compton und Sam Ward präsentierten ihr Theaterstück „Echoes – The loss of Lilly“.

Lilly ist tot. Wochenlang wird sie in Internetforen und in der Schule gemobbt, bis sie sich schließlich vor Verzweiflung das Leben nimmt. Das tragisches Ende einer fiktiven Figur im englischen Theaterstück „Echoes – The loss of Lilly“, mit dem die Siebt- und Achtklässler des St.-Ursula-Gymnasiums sicher nicht gerechnet haben.
Dabei ist das Thema Cybermobbing aktueller denn je. Das St.-Ursula-Gymnasium führt bereits seit einigen Jahren in der Jgst. 5 präventiv Projekttage zum sicheren Umgang mit den neuen Medien durch. Vermutlich sind darüber hinaus auch schon Schülerinnen und Schüler direkt oder indirekt mit dem Thema konfrontiert worden. Dies war, natürlich neben der Sprachvermittlung, Grund genug für die Fachschaft Englisch des St.-Ursula-Gymnasiums mit Rhianna Compton und Sam Ward zwei junge britische Schauspieler vom „Phoenix Theatre“ zu engagieren. Sie verkörpern in der etwa einstündigen Vorführung die Teenager Lilly und Ryan, die beide Opfer von Cybermobbing werden. In zwei voneinander unabhängigen Geschichten durchleben sie eine Achterbahnfahrt an Gefühlen zwischen Lachen und Weinen, Freude, Wut und Angst. Der Amerikaner Ryan wird an seiner Austauschschule in Irland wegen einer Fotomontage von seinen Schulkameraden gehänselt. In seiner Not wendet er sich jedoch an die Vertrauenslehrerin, die ihm hilft das Problem in den Griff zu bekommen. Lilly hingegen, die ihrem Freund vertrauensvoll ein anzügliches Bild von sich auf das Handy sendet, muss leidvoll erfahren, dass er sie hintergeht. Er gibt das Foto an einen Freund weiter, der es im Internet veröffentlicht. Die darauf folgenden Mobbing-Attacken enden mit Lillys Selbstmord.
Die beiden sympathischen Jungdarsteller schlüpfen in ihrem Stück glaubhaft sowohl in die Rollen der Täter als auch der Opfer.  Insbesondere von den Opfern zeichnen sie ein sehr authentisches und sensibles Porträt . Es gelingt ihnen hervorragend, das junge Publikum vor dem leichtfertigen Umgang mit sozialen Medien und Nachrichtendiensten zu warnen, ohne dabei ständig den Zeigefinger zu erheben. Im Gegenteil finden sich immer wieder humorvolle Szenen dazwischen, in die auch die Schülerinnen und Schüler einbezogen werden. Dieser lockere Umgang hat es ihnen sicherlich erleichtert, im Anschluss an die Aufführung mit den Darstellern auf Englisch ins Gespräch zu kommen. Dabei drehten sich die Fragen natürlich zunächst um das Stück, doch auch der Lieblings-Football-Verein, die Lieblings-Pizza und die Lieblings-Stadt in Deutschland waren für die 13- und 14jährigen von großem Interesse. So gingen zwei ungewöhnliche Unterrichtsstunden wie im Fluge vorbei.

Doris Kennemann

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