“Demokratie als Feind” in der Villa ten Hompel

Unter dem Motto „Demokratie als Feind“ unternahm der Leistungskurs Geschichte der Jgst. Q2 unter Leitung von Christoph Schulte kürzlich eine Exkursion zur Villa ten Hompel in Münster. Dort wurde den Jugendlichen das Phänomen der „Schreibtischtäter“ im völkischen Westfalen bekannt gemacht.
Nach kursinternen Diskussionen darüber, wie aus normalen Menschen Mörder werden konnten, erwies sich der Besuch der Villa ten Hompel als sehr bereichernde Ergänzung des Unterrichts. Das Programm des Tages thematisierte passive und aktive Demokratie, genauer gesagt Verfassungsfeindlichkeit, die Spaltung der Gesellschaft, Verleumdung, das Konzept der Wiedergutmachung, den damit verbundenen demokratischen Aufwand, sowie die unterschiedlichen Formen der Erinnerung. In verschiedenen Workshops versuchten die Jugendlichen nachzuvollziehen, wie Polizisten als heutiger „Freund und Helfer“ damals zu Tätern wurden, wenn sie aufgrund von Befehlen Kriegsverbrechen ausführten („Holocaust by Bullets“).
Bei einer Führung durch die Ausstellung des Hauses beeindruckte die Jugendlichen besonders der Raum, in dem unzählige Verbrechen der „Schreibtischtäter“ durchgeführt wurden. Zur Verdeutlichung der Distanzierung von diesen Taten steht der Schreibtisch umgeworfen in einer Ecke und ein Portrait Hitlers wurde bewusst abgenommen, um eine Nutzung der Villa ten Hompel als Pilgerstätte für Rechtsextreme zu vermeiden. Die Ausstellung verdeutlicht vor allem den bürokratischen Aufwand, der nicht nur die Planung und Unterzeichnung von Listen beinhaltete, sondern auch bei der Wiedergutmachung eine große Rolle spielte. Dabei gingen die Jugendlichen besonders auf die These der „Wiedergutmachung als erneute Entmenschlichung“ ein. Im Videobeitrag „Sag mir, wo ist der Preis?“ wurde die Problematik, ob es überhaupt eine Wiedergutmachung für Morde geben kann, verdeutlicht.
Anschließend gab es Zeit für eine themenspezifische Diskussion über persönliche Grenzüberschreitungen und Moral, wobei auch aktuelle Themen, wie die Pandemie und Coronademonstrationen, rechte Strömungen und Menschenrechtseinschränkungen, einbezogen wurden.
Während der abschließenden Führung durch Münster begegneten die Jugendlichen unterschiedlichen Spuren des Nationalsozialismus, wie z.B. Stolpersteinen, Statuen wichtiger Persönlichkeiten und ehemaligen Gebäuden der SS und des Sicherheitsdienstes als Schauplätzen schwerer Verbrechen an der Menschheit.
Insgesamt leistete die Exkursion damit auch einen wertvollen Betrag zur Erinnerungskultur, die am St.-Ursula-Gymnasium einen hohen Stellenwert hat.

Laura Cela, Emilia Motyka, Alina Scheglow (Q2)

Info:

  • Die Villa ten Hompel wurde 1940 von der Ordnungspolizei übernommen.
  • Seit Dezember 1999 dient sie als Gedenkstätte für Verbrechen von Polizei und Verwaltung in der NS-Zeit.
  • Im Auftrag der Wiedergutmachung erinnert sie als historischer Ort an die Aufgabe, Verfolgte des Nationalsozialismus zu entschädigen.
  • Dabei arbeitet sie präventiv gegen Rechtsextremismus und für die Demokratie.
  • Die Villa ten Hompel trägt durch interessante Angebote für Schulklassen zur Sensibilisierung der Jugend für die Thematik bei.

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