Bilingualer Bildungsgang

Tower Bridge in London
Klasse 8c (2004) in Hastings

Was ist bilingualer Unterricht?

 

Seit vielen Jahren ist der bilinguale deutsch-englische Bildungsgang ein besonderes sprachliches Angebot im fremdsprachlichen Bereich. Der Begriff „bilingual“ wird verwendet, um ein Angebot zu kennzeichnen, bei dem - in unserem Fall Biologie, Erdkunde und Politik - Sachfächer in englischer Sprache unterrichtet werden. Zuvor bereitet in den Klassen 5 und 6 erweiterterEnglischunterricht auf diesen Unterricht vor.Da der Unterricht im bilingual englischen Zug in allen Fächern nach den allgemeinen gymnasialen Richtlinien erteilt wird, ergeben sich auch im Falle eines Schulwechsels keine Schwierigkeiten. Ebenso ist grundsätzlich in Einzelfällen auch ein späterer Wechsel in den Normalzweig möglich. Die Leistungsmessung richtet sich nach den Ansprüchen der Sachfächer. Bilingualer Unterricht bedeutet demnach konkret, dass beispielsweise Erdkunde in Englisch als Arbeitssprache unterrichtet wird, keinesfalls handelt es sich um Englischunterricht mit erdkundlichen Inhalten.

Vorteile einer bilingualen Schullaufbahn



Fragt man die bilingualen Schülerinnen und Schüler unserer Mittelstufenklassen,
so wird klar mit welcher Selbstverständlichkeit sie die Vermittlung von Wissen
in Biologie oder Erdkunde in englischer Sprache nach kurzer Zeit in einer bilingualen Klasse erleben. Anders als in den Ländern Skandinaviens, liegt ein Problem des Fremdsprachenerwerbs in Deutschland darin, dass sich beispielsweise Englischunterricht auf drei oder vier Stunden in der Woche beschränkt. Der Vorzug eines bilingualen Bildungsganges, in dem eben drei weitere Fächer in englischer Sprache stattfinden, liegt auf der Hand. Zuletzt haben auch die Ergebnisse der Lernstandserhebungen gezeigt, dass bilinguale Schüler hier hervorragend abschneiden. Außerdem beobachtet man im bilingualen Unterricht häufig, dass die Schülerinnen und Schüler methodisch und sprachlich bewusster und damit auch gründlicher lernen. Im Einzelnen ermöglicht eine bilinguale Schulausbildung darüber hinaus

  • • eine sichere Beherrschung der englischen Sprache in Alltagssituationen;
  • • verbesserte Voraussetzungen für ein Studium und größere berufliche Chancen in einer zunehmend mehrsprachigen Berufswelt;
  • • eine Vorbereitung auf die Herausforderungen der Globalisierung, die Verständigung in vielen Bereichen voraussetzt. Grundlage dieser Verständigung ist in erster Linie das Englische, das sich als Verkehrssprache weltweit durchgesetzt hat und weiter durchsetzen wird. Eine zweisprachige Bildung fördert die Verständigung und dient dem friedlichen Zusammenleben.

Die drei Phasen des bilingualen Bildungsgangs

 

Englischunterricht in der Erprobungsstufe (Klasse 5/6)

Der verstärkte Englischunterricht in den Klassen 5 und 6 erfolgt, aufbauend auf die in der Grundschule erworbenen Fähigkeiten, für alle Klassen mit einer zusätzlichen Stunde gegenüber der gültigen Stundentafel für das Fach Englisch. Hier werden die Grundlagen geschaffen für eine erfolgreiche Mitarbeit im bilingualen Sachfachunterricht ab der Klasse 7. Erweiterter Englischunterricht in der Erprobungsstufe bedeutet aber auch mehr Zeit und Freiräume für:

  •   * Vermittlung, Übung und Festigung der Grundlagen in der Sprache;
  •   * spielerische Ansätze der Sprachvermittlung (Lernspiele, Rätsel,...);
  •   * kreative Vorhaben in Englisch (erste Gedichte, Geschichte, Songs);
  •   * Rollenspiele, szenische Darstellung und Theater;
  •   * Briefpartnerschaften und E-Mail-Kontakte;
  •   * Projektarbeit und fächerverbindendes Lernen;
  •   * Lesen und Behandlung von Lektüren;
  •   * Experimente und kreativ-ästhetische Vorhaben in der Fremdsprache (Freiräume für den Einsatz von Englisch ohne Angst vor Fehlern).


Einmal in der Woche teilen wir die Klassen in Englisch in zwei Gruppen, so dass wir noch intensiver mit den Kindern arbeiten können. Kleine Gruppen machen es noch eher möglich, die hier genannten Inhalte und Ziele zu erreichen und erhöhen die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, Englisch zu sprechen.

Klassenfahrt 2007
Klassenfahrt 2007

Sachfachunterricht in der Mittelstufe

Der eigentliche bilinguale Sachfachunterricht setzt ab der Klasse 7 ein. Es gilt grundsätzlich die Stundentafel des Normalzweiges, d.h. alle Sachfächer des bilingualen Angebotes (Bio, Ek, Pk) werden wie in den Normalklassen jeweils zweistündig erteilt. Allein in Klasse 7 wird Biologie mit einer zusätzlichen Stunde unterrichtet; dies gewährleistet, dass die Ziele des Fachunterrichts uneingeschränkt erreicht werden können, auch wenn der Unterricht auf Englischgeführt wird. Der Englischunterricht wird ohne Zusatzstunde weitergeführt. Besonderheit der bilingualen Klassen ist eine einwöchige Studienfahrt nach England mit einem Aufenthalt in Gastfamilien in der Klasse 8.

Klasse am Meer
Klassenfahrt 8c (2006)

Oberstufe und Abitur


Die Fortsetzung der bilingualen Laufbahn in der Oberstufe führt zum bilingualen Abitur; Anpassungen im Zusammenhang mit einer zukünftig zwölfjährigen Schulzeit sind abzuwarten. Bisher wird die Bilingualität in der Jgst. 1111 mit Grundkursen in Englisch, Biologie und Erdkunde fortgesetzt. In den Jgst. 12 und 13 finden Englisch als Leistungskurs und Biologie als Grundkurs statt. Bei Interesse kann auch Erdkunde als bilingualer Kurs weitergeführt werden. Schüler, die sowohl den Leistungskurs Englisch besuchen als auch die Abiturprüfung in einem Grundkursfach in englischer Sprache ablegen, erhalten mit dem Abiturzeugnis den Qualifikationsvermerk eines bilingualen Abiturs. Eine besondere Auszeichnung erhalten die abgehenden Schüler seit 2006 auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft bilingualer Schulen in NRW durch ein Anerkennungsschreiben des British Council, das den internationalen Wert des bilingualen Abiturs unterstreicht.Selbstverständlich kann ein bisher bilingualer Schüler mit dem Übergang in die Sekundarstufe II aber auch jede andere Oberstufenlaufbahn wählen bzw. die Fachprüfung im Abitur in der Muttersprache ablegen.Der bilinguale Vermerk auf dem Abiturzeugnis und das Zertifikat werden dann aber nicht erworben.

Beratungssystem zur Neubildung der Klassen

Das Beratungssystem Bilingualität führen wir in engem Kontakt mit den Eltern und Schülern im zweiten Halbjahr der Klasse 6 durch. Der interessengeleitete
Schüler- bzw. Elternwunsch nach einer Aufnahme in die Klasse mit bilingualem Sachfachunterricht ist neben den leistungsbezogenen Kriterien (insbesondere Englischnote) angemessen zu berücksichtigen.
Wie von allen anderen Schülern erwarten wir auch von denen in der zukünftigen bilingualen Klasse Teamfähigkeit, kooperatives Verhalten und Einsatz für die (Klassen)Gemeinschaft.
Die Schüler müssen konstante Leistungen im Fach Englisch in der Klasse 5 und 6 nachweisen. Die Leistung sollte i.d.R. mindestens „befriedigend“ sein und darf in der Klasse 6 nicht deutlich abfallen.
Die Schüler sollten in den Kernfächern (D, M, F/L) i.d.R. befriedigende Leistungen nachweisen. Im Einzelfall kann eine schwächere Leistung in Mathematik durch deutlich erkennbare sprachliche Begabungen ausgeglichen werden.
Interesse an Sachfächern und eine entsprechende Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft sowie die Fähigkeit zum eigenständigen
Arbeiten sind weitere wichtige Überlegungen beim Übergang in die bilinguale
Klasse. Am Ende beschließt die Entscheidungskonferenz über die Aufnahme in den bilingualen Zweig auf Vorschlag eines Gremiums mit der Schulleitung und den jeweiligen Klassenleitungen.
Wir sind davon überzeugt, dass vor dem Hintergrund der hier formulierten Kriterien und dem erweiterten Englischunterricht der Erprobungsstufe die Mehrzahl der Kinder unserer Schule grundsätzlich geeignet ist, dieses besondere Angebot erfolgreich wahrzunehmen. Die Rückmeldung unserer Mittelstufenschüler in den vielen Jahren seit Einrichtung dieses Zweiges macht deutlich, wie selbstverständlich Sachfachunterricht in Englisch sein kann.